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Gastkommentar Stadt Salzburg

Erfassung der Schacht- und Sonderbauwerke des städtischen Kanalnetzes von Salzburg mittels CUS und Einbringung der Daten in den digitalen Kanal- u. Leitungskataster

Der ab den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts intensivierte Kanalneubau im Stadtgebiet von Salzburg brachte eine rasche Zunahme der Kanalnetzerstreckung mit sich. Derzeit besteht das von der Stadtgemeinde Salzburg betriebene Ortskanalnetz aus ca. 340 km Kanalstrecke und in Summe ca. 8000 Schacht- und Sonderbauwerken.

Bedingt durch die ca. 140-jährige Errichtungsphase für den derzeitigen Kanalbestand besteht dieser aus bautechnischer wie auch geometrischer Sicht aus sehr unterschiedlichen Anlagenteilen. Diese Zunahme des Kanalbestandes und die damit zusammenhängende Datenflut erforderte den Aufbau und die Führung eines alle Anlagenteile erfassenden Kanalkatasters. Anfänglich wurde dieser entsprechend den damaligen technischen Möglichkeiten analog geführt.

Ab 1990 wurde nach Einführung einer Software zum Aufbau einer digitalen Stadtkarte auch mit der Einarbeitung von Leitungen in dieses System begonnen. Das unbedingte Erfordernis der detaillierten Strukturierung aller für die Eingabe in ein grafisches System verwendeten Grundlagendaten erforderte eine neue Betrachtung und Bearbeitungsweise dieser. Vorlagen und Standards waren zu diesem Zeitpunkt noch kaum verfügbar und dies bedeutete, dass erhebliche Grundlagenarbeit im Voraus zu leisten war.

Eine der großen Aufgabenstellungen in dieser Aufbauphase eines flächen- bzw. netzdeckenden digitalen Kanalkatasters stellte die Ersterfassung sowie die Ein- und Vermessung der Kanalanlagenteile dar, für die keine oder auf Grund der Ungenauigkeit nur nicht oder nur bedingt verwendbare Kanalbestandsunterlagen vorhanden waren. Eine Erstabschätzung über den Umfang der zu erhebenden Kanalanlagenteile ergab, dass ca. 130 km Kanalstrecke mit den dazugehörigen Schachtbauwerken ein- und zu vermessen waren. Im Zuge der Erhebung der technischen Möglichkeiten für die Ersterfassung der Schachtbauwerke kam Anfang 1995 der Kontakt zur Fa. Bodemann zustande.

Das von dieser Firma zu diesem Zeitpunkt schon weit entwickelte Verfahren der computerunterstützten Schachterfassung, kurz CUS genannt, sowie ein bei den Firmenmitarbeitern damals schon vorhandener hoher Kenntnisstand in der Gesamtproblematik führte zu einer raschen Intensivierung der Zusammenarbeit. Im Zuge der Durchführung von Schacht- und Kanalerfassungspilotprojekten wurden die Teilprozesse wie Erfassungsvorbereitung mit Datenstrukturierung, Erfassungsdurchführung und Datenübermittlung gemeinsam mit der Fa. Bodemann optimiert.

Durch das Organisationstalent, die umsichtige Arbeitsweise und die Flexibilität der Mitarbeiter der Fa. Bodemann war es möglich die Erfassung von 3800 Kanalschächten trotz sehr oft schwieriger Rahmenbedingungen wie Aufnahmen im Bereich stark befahrener Hauptstraßen, mit dem Aufnahmefahrzeug schwierig erreichbarer Aufnahmebereiche usw. ohne größere Probleme auszuführen. Es wurden verschiedenste Details in einer workshopartigen Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern der Fa. Bodemann und der Stadtgemeinde Salzburg entwickelt und in der Realisierung im Anschluss sofort getestet. Eines dieser Details ist die im Anschluss angeführte Schachtnummerierung.

Eine wesentliche Grundlage für eine Optimierung der Kommunikation aller an der Kanalbetriebsführung Beteiligten stellt die bei Altschächten im Zuge der Ersterfassung mittels CUS und bei allen schon nach der Errichtung vermessen Schächten im Nachhinein im Schachteinstieg angebrachte, über das gesamte Kanalnetz eindeutige Schachtnummerierung dar. Diese Bauwerksnummerierung bildet somit das Bindeglied zwischen dem physischen Bauwerk und dem dazugehörigen Abbild im digitalen System.

Im Jahr 2001 wurde die Kanalaltbestandserfassung bis auf einige kleine Reste abgeschlossen und damit konnte der digitale Kanalbestandskataster, der die wesentlichste Grundlage für ein Kanalinformationssystem zur Optimierung des Kanalbetriebes und der Kanalinstandhaltung darstellt, fertiggestellt werden. Nur durch die Neuerfassung der Altbestände in der durchgeführten Art konnte der einheitlich über das gesamte Kanalnetz hohe Datengenauigkeitsstandard erreicht werden.

Die Investitionen in die Schachterfassungen und Kanalkamerabefahrung für die Erfassung der 120 km Altkanäle betragen in Summe 545.000 €, womit sich für den Laufmeter Kanal im Schnitt externe Erfassungskosten von ca. 4,50 € ergeben. Der Anteil für die Schachterfassung beträgt ca. 2/3 von diesen externen Kosten. Die Relation dieser Kosten zum Wert der Kanalanlagen, der im Mittel im Bereich zwischen 500 € und 600 € liegen, sowie die schon bei allen mit Fragestellungen zum Kanalnetz beschäftigten Stellen in der Informationseinholung zu diesem aus dem digitalen Leitungskataster über das EDV-Netzwerk gewonnenen Vorteile und damit verbundenen Effizienz- und Qualitätssteigerungen rechtfertigen den Mitteleinsatz jedenfalls.

Zusammenfassend kann gesagt werden, die komplexe Aufgabe der Kanalschachtbauwerkserfassung im städtischen Bereich sowie die Organisation der Datenprüfung und des Datenflusses auf, für den optimalen Einsatz in einem Kanalinformationssystem erforderlichem, hohem Qualitätsniveau ist nur durch eine entsprechende Identifikation aller Beteiligten mit der Gesamtproblemstellung möglich.

Kanal- und Gewässeramt, Magistrat Salzburg
+ DI Johann Schranz, Baumeister  (Hr. DI Schranz ist leider im Jahr 2007 völlig unerwartet an einem Herzversagen verstorben)

www.stadt-salzburg.at