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Gastkommentar Marktgemeinde Hard

Aufbau und Einsatz eines digitalen Katasters für Abwasser und Trinkwasser

Das Kanalsystem der Marktgemeinde Hard wurde ab ca. 1965 bis zum heutigen Tage sukszessive aufgebaut. Vorwiegend wurde das Trennsystem angewendet, einige Teilbereiche wurden auch im Mischsystem erstellt. Das gesamte Kanalnetz umfasst derzeit ca. 90 km Schmutz-, Regen- und Mischwasserkanäle und ca. 2.600 Stück Kanalschächte. Dies stellt einen Gesamtwert (ohne Kostenindex) von ca. 300 Mio. ATS dar.

Der genaue Bau- und Leitungszustand des Gesamtnetzes war bis damals nicht genau bekannt und bis auf einige alte Bestandspläne gab es keine weiteren Informationsunterlagen über die öffentliche Abwasserbeseitigungsanlage. Die aktuelle Kontrolle und Überprüfung des Gesamtkanalisationsystems war Voraussetzung für die gewünschte digitale Datenerfassung und Verwaltung mit diversen Auswertemöglichkeiten. Eine rein topografische Darstellung des Kanalbestandes bot für uns zu wenige Möglichkeiten um weiterführende Analysen und Überarbeitungen im Kanalnetz durchführen zu können.

Im März 1996 wurden daher die Ingenieurleistungen zur Erstellung eines umfassenden Kanalinformationssystem nach Rücksprache mit der Vlbg. Landesregierung beschränkt ausgeschrieben. Nach rechnerischer und sehr detaillierter sachlicher Überprüfung war das Angebot der Firma Bodemann das Billigst- und zugleich das Bestangebot.

Die Hauptbegründung für die Vergabe an die Fa. Bodemann war die Zustandserhebung der Kanalschächte mittels patentiertem CUS-Schachtvermessungssystem (derzeit absolut bestes und sicherstes Aufnahmeverfahren). Die politischen Gremien bestätigten diese Entscheidung und stimmten der Auftragsvergabe zu. Parallel dazu wurde das Gemeindeinformationssystem auf Basis GEMGIS aufgebaut.

Diese Entscheidung ist damit begründet, dass auch die EDV-Abteilung der Vlbg. Landesregierung dieses Produkt verwendet, wobei eine langfristige Entscheidung für die Vlbg. Gemeinden vorgegeben war. Die Vermessungsarbeiten für das GIS sowie die Kanalzustandserfassung (Überprüfung mittels optischer Kanalinspektion und CUS-Schachtaufnahme) wurden gleichzeitig ausgeführt, budgetbedingt in einzelne Jahresteilbereiche untergliedert und in den Jahren 1996 bis 2000 durchgeführt. Die Kanalzustandserfassung erfolgte auf Basis des ATV bzw. des ISYBAU-Regelwerks.

Die Gesamtkosten für die Kanalreinigung, optische Kanalinspektion, CUS-Schachtvermessung sowie des KTVBüro-Informationssystems betrugen ca. 5,3 Mio. ATS. Dazu werden noch ca. 500.000 ATS für die bauliche und hydraulische Zustandsbewertung inkl. der Erarbeitung eines tabellarisch-graphischen Schadenskataloges mit darauf basierendem Sanierungskonzept anfallen.

Nach erfolgreichem Abschluss der umfassenden Erstellung des digitalen Kanalkatasters wurde auf Basis der sehr guten Erfahrungen mit der Fa. Bodemann auch mit dem Erstellen eines digitalen Trinkwasserkatasters begonnen. Dabei wurde in den Jahren 1999 und 2000 das komplette Wasserversorgungsnetz der Marktgemeinde Hard (ca. 74 km Haupt- u. Ringleitungen, 51 km Hausanschlussleitungen) in einer digitalen Datenbank erfasst und ermöglicht nunmehr ein sehr einfaches Arbeiten mit unzähligen Auswertfunktionen. Für die komplette Dateneinarbeitung und dem Programm TW2000 sind Kosten von ca. 1,5 Mio. ATS angefallen.

Die bisherigen Entscheidungen über die Produkte KTVBüro, TW2000, Durchführung u. Einarbeitung der bisherigen Bestandserfassung und die Zusammenarbeit mit der Fa. Bodemann ergibt aus unserer Sicht ein äußerst positives Ergebnis. Unsere Anregungen, Hinweise zum Programm oder Hilfestellung bei offenen Fragen wurden und werden von Hr. Bodemann bzw. seinen äußerst engagierten Mitarbeitern immer sachkundig auf Machbarkeit überprüft bzw. beantwortet.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass beide Softwareprodukte praxisbezogen aufgebaut und durch die gemeinsame Visualisierung mit dem allgemeinen GIS-System GEMGIS dem zuständigen Sachbearbeiter ein sehr unkompliziertes Handling in der täglichen Arbeit ermöglicht. Die Einbeziehung ständig neuer EDV-Technologien oder interessanter Zusatzmodule (z. B. Wartungsmodul) bringt dem Anwender zusätzliche Vorteile in der Praxis.

Marktgemeinde Hard
Ing. Gerhard Debortoli

www.hard.at